EHC Uzwil

«Die Altlasten hinter uns lassen»

14. Dezember 2003, 18.54 Uhr: Wils damaliger Präsident Marcel Herzog (links) und Uzwils damaliger Präsident Romeo Maasl unterschreiben eine Vereinbarung zu einer Fusion, welcher sich später als missglückter Fusionsversuch herausstellte. (Archivbild: uno.)

Der EHC Uzwil lehnt eine Zusammenarbeit im Nachwuchsbereich mit dem EC Wil ab. Dafür schlägt er dem Lokalrivalen vor, zu fusionieren. Eine A1-Vision (Autobahn St. Gallen–Uzwil–Wil) soll den in der Region serbelnden Eishockeysport retten.

URS NOBEL

Vorstandsdelegationen der beiden Eishockeyclubs aus Wil und Uzwil sowie Wil-Beirat Ernst Wirth sassen am 12. Januar 2012 gemeinsam an einem Tisch, um sich auszutauschen. Nach verschiedenen Diskussionen ging man mit dem Ziel auseinander, in den eigenen Vereinen abzuklären, wie man künftig eine mögliche Zusammenarbeit im Nachwuchsbereich gestalten könnte.

Keine Zusammenarbeit

Überraschenderweise wird nun seitens des EHC Uzwil in einem Schreiben an den EC Wil – datiert vom 17. Februar 2012 – mitgeteilt, dass sich der Vorstand nach etlichen Gesprächen und an der Vorstandssitzung von vergangener Woche entschieden habe, keine Zusammenarbeit mehr auf Stufe Nachwuchs mit dem EC Will eingehen zu wollen. Dieser Entscheid basiere auf den gemachten Erfahrungen in den letzten zehn Jahren. Der EHC Uzwil erachte eine solche Massnahme nicht als zielführend, weil die Konflikte bezüglich Top-Stufen und ersten Mannschaften «programmiert» wären.

Vorschlag zu Fusion

Weit überraschender dann aber die Fortsetzung des Schreibens, welches von EHC Uzwil-Präsident aufgesetzt und an EC Wil- Präsident Daniel Kamber geschickt und gemailt wurde. «Wir schlagen jedoch eine Fusion der beiden Vereine vor.» Der Vorschlag basiere auf der Erkenntnis, dass die Ostschweiz und insbesondere die Region Wil-Uzwil- St.Gallen grossflächiger unter einem Dach zusammenarbeiten müsse, um langfristig und erfolgreich noch Eishockeysport betreiben zu können.

Vergangenheit hinter sich lassen

Der EHC Uzwil wartet nun auf eine Reaktion seitens des EC Wil. Wie ernst den Untertoggenburgern das Angebot ist, beweist folgende Aussage im Schreiben: «Wir sind bereit, die Vergangenheit mit allen Altlasten und persönlichen Animositäten hinter uns zu lassen, und würden es schätzen, wenn wir schnell und im Sinne eines grossen Wurfes die beiden Clubs vereinen können.»

Jürg Grau, auf den Zeitpunkt einer Antwort aus Wil angesprochen, sagt dazu: «Wir haben bewusst keinen Termin dafür gesetzt. Wenn jedoch eine positive Rückmeldung bis gegen Mitte März 2012 realisierbar ist, so haben beide Vereine noch die Möglichkeit, bis zur Hauptversammlung auf die Situation zu reagieren. Eine Fusion wäre demnach noch vor der nächsten Saison möglich.»

Zuversichtlicher Präsident

Jürg Grau ist zuversichtlich, dass eine Fusion realisierbar ist. Es gebe viele gute Gründe dafür. Er denkt unter anderem an bessere Möglichkeiten zur Finanzmittelbeschaffung – seitens der Sponsorenclubs beider Vereine zeige man sich aufgeschlossen –, aber auch an die Stärkung und Bestückung des Nachwuchsbereichs. «Wir müssen wieder vermehrt Uzwiler und Wiler Kinder motivieren können, Eishockey spielen zu wollen. Wie auch immer ein Entscheid der beiden Vereine herauskommt, will der EHC Uzwil die Kooperation mit dem EHC Pikes Oberthurgau im Nachwuchsbereich aufrecht erhalten und auch die Zusammenarbeit mit dem EHC St.Gallen als Farmteam fortsetzen.

«Kooperationen mit weiteren Vereinen bleiben auch nach einer allfälligen Fusion zwischen Will und Uzwil wichtig. Wir müssen alle auf den verschiedenen Stufen mehr Spieler haben und diese dann auch länger in den eigenen Reihen halten.»

Details sind Nebensache

Im Vergleich zu 2003, als die beiden Vereine bereits einen Versuch zu einer Fusion getätigt hatten, soll der Fehler vermieden werden, sich zu sehr auf Details zu konzentrieren. Es soll auch kein Verein den Lead übernehmen, sagt Grau, der sich aber vorstellen kann, dass drei Arbeitsgruppen in sportlicher und finanzieller Hinsicht sowie im Marketingbereich eine Zusammenarbeit aufgleisen. «Wenn wir uns in Details verlieren, dann ist es nicht möglich, vorwärts zu kommen», ist Uzwil-Präsident Grau überzeugt.

Kommentar

Regionalisierung als Chance

Bei der vom EHC Uzwil vorgeschlagenen Fusion mit dem EC Wil geht es nicht um die beiden Vereine, sondern um Eishockey in der Region. Diese Sportart soll mit einer solchen Massnahme gestärkt beziehungsweise gerettet werden. Dem Spielerschwund im Nachwuchsbereich muss schnellstens entgegengewirkt werden, und das ist nur noch gemeinsam möglich. Profitieren sollen alle, egal wie ein möglicher fusionierter Verein später einmal heisst oder wo dieser spielt.

Es mag sein, dass der EC Will im Moment gegen eine Fusion anführt, mit der Übergangszeit des Baus eines neuen Bergholzes andere Prioritäten in seiner Tätigkeit setzen zu müssen. Dass er nicht auch noch Zeit habe, Einsitz in Kommissionen zu nehmen, um eine mögliche Fusion in die Wege zu leiten. Dem sei zu entgegnen, dass die schönste Eishalle wertlos ist, wenn niemand darin spielt.

Junge Spieler wollen in einem starken Verein ihrem Hobby nachgehen. Stark ist weder der EHC Uzwil noch der EC Wil. Gemeinsam aber kann das Nachwuchsproblem in der Region angegangen und auch gelöst werden. Gezielte Aktivitäten in der Nachwuchsrekrutierung, gemeinsames Vorgehen aber auch, um der Abwanderung junger Talente in die Metropolen wirkungsvoll entgegenzutreten.

Urs Nobel (urs.nobel@wilerzeitung.ch)

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